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19. Mai 2009
Von scharfem Skalpell wenig zu spüren
Ein Skalpell ist ein chirurgisches Instrument zum scharfen Durchtrennen von
Geweben. Als die beiden Bayreuther Sandy Wolfrum und Klaus Wührl das
Bayreuther Skalpell gründeten, assoziierten sicher viele eine Art
Scharfrichterhaus wie es jenes in Passau zur Berühmtheit gebracht hat. Wührl
hat sich in Bayreuth einen Namen als spätberufener Kabarettist gemacht und
Sandy Wolfrum kennen alle als Liedermacher mit Leib und Seele. Vermutlich
hat da bereits das Problem begonnen. Musik, Kabarett, Zauberei, Jonglieren
und mehr: von allem ein wenig. Da gibt es nichts, was da nicht reinpassen
würde. Von vielem „a weng“ birgt auch das neueste, zweite Programm, das die
beiden nun im Saalbau der Rosenau vorstellten. Drei unterschiedliche
Liedermacher, ein Kinderzauberer aus Bayreuth und ein Kabarettist, der
westfälisches Flair mitbrachte. Einer, der Mentalist, fehlte.
Den Anfang machten Liebeslieder von Erik Beisswenger. Hübsche Texte, nette
Melodien, aber nichts, das vom Hocker reißen könnte. Da haute Christoph
Weiherer schon ganz anders rein: Bissige, fast kabarettistische
Formulierungen, die Mundharmonika vor dem Schnodderschnabel, der nie still
stand und auch während der Lieder kommentierte, stichelte und frotzelte er
nahezu atemlos weiter. Weiherer eroberte den voll besetzten Saal auf Anhieb,
ein sympathischer, junger Langhaariger, engagiert, fröhlich und frech, der
den einen oder die andere an Hans Söllner in jungen Jahren erinnerte. Ein
Barde mit trockenem Humor, kritisch und traurig zugleich. Der Bayreuther Tom
Langmeier präsentierte einige Kostproben aus seinem Zaubergarten, in den er
meistens Kinder einlädt. Aber auch Erwachsene können darüber durchaus
Schmunzeln. Dazu feine, nachdenkliche Pantomime.
Den mehrdeutigen Titel „Foitnrock“ hat sich Helmuth Tremmel aus Rosenheim,
ein Gitarrist und Sänger, gegeben, der sich als urbayerischer Typ
vorstellte. Mit gigantischem Bierbauch und von Vorurteilen strotzenden
Inhalten überschritt er die Grenzen des guten Geschmacks permanent. Bestimmt
hat er auch anderes in seinem Repertoire, aber den Bayreuthern knallte er
sein Antischwulenlied um die Ohren. Ein exzellenter Gitarrist mit Country
und Blues in den Adern. Die Hasstiraden auf Schwule und Rollerfahrer gehören
in die unterste Schublade. Peinlich!
Solides Kabarett hatte Harald Arndt aus Essen im Gepäck. Er stellte den
gekränkten Idealisten dar, der in Zeiten wie diesen entweder zu saufen
beginnt, Depressionen bekommt oder eben, ja, Kabarettist wird. Immerhin ein
Lichtblick. eba
(QUELLE: NORDBAYERISCHER KURIER. Danke für die freundliche Genehmigung)
Hier können Sie den
Originalbericht sehen!
Lesen Sie hier die
Kommentare von Besuchern!
Zweiter Kabarettabend in der Rosenau enttäuscht