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30. Dezember 2009
Bayreuther Skalpell seziert weiter
Kleinkunstevent geht ins dritte Jahr
Von Christina Knorz
Es geht weiter: Das erste Jahr war ein Testlauf, für die
Veranstalter, das Publikum, die Künstler. Jetzt geben Klaus Wührl und Sandy
Wolfrum grünes Licht für 2010: Das Bayreuther Skalpell geht in sein zweites
Jahr. Denn: „Eigentlich sind wir sehr zufrieden, dass wir diese neue
Veranstaltungsform in Bayreuth etablieren konnten“, sagt Wührl.
Die kleine Einschränkung „eigentlich“ im Satz des Veranstalters rührt daher,
dass Wolfrum und Wührl das Skalpell ehrenamtlich betreiben, aber Idealismus
eben keinen Schinken auf den Tisch bringt. Angetreten waren sie mit dem
Vorsatz, dass es auch dann gut laufe, wenn jeder 100 Euro draufzahlen müsse.
Das Jahr ist rum, drauflegen müssen sie nichts. Die vier Veranstaltungen
waren mit jeweils 115 bis 165 zahlenden Zuschauern gut besucht. „Es hat sich
so etwas wie ein Stammpublikum etabliert“, freut sich Wührl über das
geglückte Experiment.
Neu im kommenden Jahr wird sein, dass fünf statt sechs Künstler pro Abend
auftreten. Die 15 Minuten für jeden Auftritt seien zu knapp bemessen
gewesen. „Die Künstler müssen die Chance haben, warm zu werden, und auch das
Publikum muss sich ja erst auf einen Stil einstellen. Da sind 20 Minuten pro
Auftritt besser“, sagt Wührl.
Die Künstler waren übrigens begeistert vom Bayreuther Publikum – „gerade die
aus den größeren Städten wie München oder Köln“. Auch wenn die Zuschauer
„zunächst etwas spröde“ wirkten, hätten sie immer mitgemacht, mit Applaus
nicht gegeizt und seien vor allem zahlreich erschienen. „Bei ähnlichen
Veranstaltungen in größeren Städten ist es selten kontinuierlich so voll“,
sagt Wührl, was aber auch daran liegen kann, dass das Angebot andernorts an
Kabarett und Kleinkunst höher ist.
Ein Wunsch der Skalpell-Väter ist, dass sich mehr oberfränkischer Nachwuchs
für den Kleinkunst-Abend bewirbt. „Wir müssen natürlich auf Qualität achten,
aber eigentlich wären wir gerne auch eine Plattform für Nachwuchskünstler,
die sich mal 20 Minuten vor Publikum ausprobieren wollen.“ Wührl erinnert
sich an seinen ersten Auftritt als Kabarettist, bei dem er ein 90-minütiges
Programm schrieb und damit auf die Bühne ging. „Da ist die Enttäuschung viel
größer, wenn es nicht klappt. Es ist doch besser, wenn man sich im
Skalpell-Rahmen versuchen kann. Ich weiß nicht, ob es in Bayreuth keine
Szene dafür gibt oder ob die Leute noch zu schüchtern sind. Wir würden uns
auf jeden Fall freuen, wenn sich mehr junge Künstler aus der Gegend melden.“
Im Rückblick auf das erste Skalpell-Jahr ist für Wührl interessant: „Selten
fanden zwei Zuschauer einen Künstler am besten. Die Meinungen gingen
auseinander. Das ist gut, dann ist für jeden was dabei.“
(QUELLE: NORDBAYERISCHER KURIER. Danke für die freundliche Genehmigung)
Hier können Sie den
Originalbericht sehen!